Lasst euch von Vergleichen nicht entmutigen

Vergleich

Vor ein paar Monaten war ich bei der Premiere von The Last Five Years in Frankfurt. Während der gesamten Zugfahrt nach Hause habe ich mir überlegt, wie ich meine Erfahrungen dieses Abends in Worte fassen sollte und wie sehr ich diese mit euch teilen wollte.

Die Vorstellung war auf Englisch und mit Darstellern, die bereits in West End-Produktionen gespielt hatten. Es war ein kleines Theater und ich saß in der ersten Reihe. Die Darsteller waren erstklassig, glaubt mir. Einerseits fühlte ich mich sehr gut unterhalten, aber andererseits merkte ich, wie ich immer frustrierter wurde. Ihr fragt euch jetzt vielleicht warum… Naja, es gab diesen einen Gedanken, der sich in meinem Kopf festsetzte und wie Gottes Stimme in einer Kathedrale widerhallte: „Oh mein Gott, ich wünschte ich könnte singen wie die!“ Ich suchte nach Ausreden und redete mir ein, dass ich mich aus den verschiedensten Gründen nicht mit ihnen vergleichen sollte, aber meine Frustration ließ sich einfach nicht rationalisieren.

Während der Pause las ich The War of Art. (Das kommt euch jetzt sicher etwas ungewöhnlich vor, aber meine Begleitung hatte sich für einen kurzen Spaziergang von mir verabschiedet. ;-)) Je länger ich las, desto mehr dachte ich: „Was zur Hölle mache ich gerade eigentlich?“ Hatte ich die Worte gut und schlecht nicht schon aus meinem Vokabular gestrichen? Hatte ich nicht bereits allen Menschen auf der Welt mit phänomenalen Stimmen „vergeben“?

Ich konnte einfach nicht riskieren in diese negativen Denkweisen zurückzufallen, ich hatte viel zu hart dafür gekämpft sie hinter mir zu lassen. Ich konnte nicht riskieren, dass sie mich weiter zurückhielten. Deshalb nutzte ich die Gelegenheit, nicht mehr frustriert zu sein, sondern von ihnen zu LERNEN. Konnte ich feststellen, was ihre Technik so beeindruckend machte?

Ich begann, die Darsteller genauer zu beobachten und ihnen noch genauer zuzuhören als zuvor und merkte ziemlich schnell, dass es auf wenige Dinge hinauslief: eine knackige Aussprache, stilistische Beständigkeit, makellose Intonation und minimale Bewegung des Kiefers!

Das war genau der Moment, in dem es mich traf: Dies waren genau die Dinge, an denen ich gerade arbeitete. Ich war auf dem Weg! Natürlich hatten sie die Technik bereits gemeistert, aber alles was ich tun musste, war zu üben. Ich hatte das Wissen um diese negativen Gedanken loslassen zu können schon den ganzen Abend gehabt, ich hatte es nur nicht gesehen. Tatsächlich gab es nichts, was zwischen mir und dieser Art zu singen stand. Naja, nichts als innerer Widerstand. 😉

Wenn ihr also das nächste Mal frustriert seid, weil ihr euren eigenen Outtakes mit den Highlight-Reels von anderen vergleicht, scheut den Vergleich nicht. Lasst ihn zu, analysiert die Unterschiede und nutzt dieses Wissen auf eine positive Art. Denn wenn ihr wisst, warum ihr die Vorstellung so gerne mögt, wird es euch viel einfacher fallen herauszufinden, was ihr tun müsst um an denselben Punkt zu gelangen. 🙂

Kommentar verfassen