Das Geheimnis des Erfolges eines Vorsingens

Vorsingen

Ich wünsche euch allen ein frohes neues Jahr! Habt ihr gute Vorsätze? Ja? Dann vergesst sie bitte sofort, denn Gewohnheiten und euer Lebensstil sollten an keine Jahreszeit gebunden sein. Lest diese Geschichte um herauszufinden, warum ihr euch das ganze Jahr über an eure Routine halten solltet:

Vor ein paar Monaten hatte ich ein Vorsingen. Ein paar Tage vorher merkte ich, dass ich dabei war, mich zu erkälten. Meine Nase war zu, aber meine Stimme war nicht betroffen. Ganz im Gegenteil, ich machte großartige Fortschritte, weil ich gerade einen achtwöchigen Intensivkurs bei Tom Burke belegt hatte. Obwohl ich krank war, ging es mir nicht schlecht. Und weil meine Stimme nicht betroffen war, machte ich mir keine Sorgen.

Und dann passierte es: Am Tag des Vorsingens wachte ich auf und wusste sofort, dass etwas nicht stimmte. Ich war noch im Bett und probierte meine Stimme aus. Für das Vorsingen brauchte ich einen Rocksound in der hohen Beltlage. Mein erster Versuch klang als würde ich ein hohes C nach einer durchzechten Nacht versuchen. Eine kreischende Todesfee war nichts gegen diesen kaum hörbaren Klang, der aus meiner Kehle drang. Meine Stimmlippen waren extrem geschwollen, ich konnte es spüren.

Für einen Moment überlegte ich, ob ich das Vorsingen absagen sollte. Dann fielen mir aber zwei Dinge ein, die ich in den letzten Monaten gelernt hatte: a) verurteile niemals den ersten Versuch und b) verlasse dich darauf, dass dir deine erarbeitete Routine in Fällen wie diesen helfen kann.

Ich hörte also auf Panik zu schieben und machte eine Liste von allem, was meiner Stimme dabei helfen sollte, innerhalb der nächsten drei Stunden wieder in Form zu kommen. (Vor allem war ich in dieser Situation froh darüber, dass ich vor Vorsingen immer sehr früh aufstehe.) Ich fing mit meiner Flaschenübung an und machte jede SOVT-Übung, die mir einfiel. Dann ging ich für ein paar Minuten in mich und wärmte meine Aussprache auf. Ich inhalierte mit Salzwasser, trank Schweizer Kräutertee und Gott sei Dank, meine Stimme war zurück! Zugegeben, es war nicht ideal, meine Nase war immer noch zu, aber man hörte trotzdem noch die Qualität. 😉

Dann setzte ich mich auf mein Bett und wartete darauf, dass das Vorsingen per Videochat anfing… und wurde echt nervös! Ich hatte zwei Lieder und eine Szene aus der Show vorbereiten müssen und fing an mich zu fragen, ob sie meine Interpretation wohl mögen würden. Ich ging wieder in mich und stellte fest, dass es eigentlich egal war, wie sie es haben wollten. Viel wichtiger war, dass ich ihnen zeigen konnte, was in mir steckt.

Dann begann das Vorsingen und ich begann zu spielen. (Während eines Vorsingens stelle ich mir immer vor, dass ich den Job schon habe. Es hilft mir in meinen „Bühnenmodus“ zu kommen.) Beim ersten Versuch war ich leider noch etwas verkopft aber zum Glück durfte ich den Song wegen technischer Schwierigkeiten in der Verbindung noch einmal zeigen. Ich sang ihn also noch einmal und konnte mein Bestes zeigen! 🙂

Leider bekam ich den Job nicht. Was aber viel wichtiger war, war die Tatsache, dass ich die Gelegenheit nicht aufgegeben hatte, um die Rolle zu kämpfen. Versteht mich nicht falsch, ich sage nicht, dass man in jedem Zustand vorsingen sollte. (Ich hatte zum Beispiel mal eine Kehlkopfentzündung und klang als wäre ich tontaub. Das ist kein Eindruck, den man bei einem Vorsingen hinterlassen will.) Trotzdem solltet ihr in solchen Fällen alle Optionen abwägen und weder Panik schieben noch ein Hindernis als Ausrede nutzen, nicht alles zu geben, was ihr habt.

In diesem Fall habe ich den Job nicht bekommen. Letztendlich geht es aber gar nicht darum, den Job zu bekommen, sondern beim Vorsingen euer Bestes zu geben. (Ich weiß, ich weiß, wir möchten Darsteller sein und keine professionellen Vorsänger, aber es gehört einfach dazu.) Denn wenn ihr ganz genau darüber nachdenkt, bringt euch die Erfahrung jeder Audition näher an euer Ziel. Denn es gibt immer ein nächstes Mal.

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