Keine Panik

PanikIch schreibe dies am 25. Mai und habe ein weißes Handtuch um den Hals. Warum? Einerseits ist heute towel day und manchmal bin ich einfach ein bißchen geeky, andererseits hat mir mein Mitbewohner gerade einen Post-It geschrieben, auf dem „don’t panic“ steht. (Ja, manchmal ist auch er ein bißchen geeky. ;-)) Aber wie kam es dazu?

Wir spulen kurz zurück

Eigentlich wollte ich heute über ein ganz anderes Thema schreiben. Ich wollte eine anregende Rede darüber schreiben, wie man sich als Künstler etabliert und auch finanziell in der Kunst Fuß fassen kann. Ich wollte euch die positiven (und negativen) Seiten darlegen und euch zeigen, dass ihr für viele Dinge qualifiziert seid, die euch das Kellnern ersparen können. Dann ist mein Laptop abgestürzt.

Finanzen sind kompliziert

Okay, ich will ganz ehrlich sein. Ich habe all meine Ersparnisse für Schauspielunterricht und ein Auto ausgegeben, das ich dringend brauchte. Ich lebe im Moment von Monat zu Monat und ehrlich gesagt habe ich darauf keine Lust mehr. Ich habe daher beschlossen, die Sache in meine eigenen Hände zu nehmen: Ich habe meine Excel-Fähigkeiten verbessert, habe im Internet nach Blogs zum Thema gesucht (ein guter Anfangspunkt ist der von Stefanie O’Connell) und habe eine Excel-Übersicht und Prognose für den Rest des Jahres erstellt. Ich fühlte mich sicher. Ja, als Selbstständiger muss man auch mit unvorhergesehenen Schwankungen im Einkommen rechnen, aber ich hatte das Gefühl, dass es mich nicht aus der Bahn werfen würde. Und dann ist mein Laptop abgestürzt.

Keine Panik

Ja, ich habe kurzzeitig den Kapitalismus verflucht. (Vielleicht habe ich auch einen Witz darüber gemacht, dass ich gerne per Anhalter in eine Galaxis ohne Kapitalismus fahren will. :-P). Dann habe ich meinem Mitbewohner erzählt, dass ich einen neuen Laptop brauche und – ganz ehrlich – wie sehr das nervt, wenn man eigentlich gerade für Notfälle spart. Ich hatte nur nicht damit gerechnet, dass so schnell einer kommen würde. Und dann hat er mir diesen kleinen Post-It auf meinen wiederbelebten Laptop geklebt und mir wurde alles klar.

A) Ja, ich hatte einen Plan, aber dieser bedurfte Änderungen und b) es gibt immer eine Lösung. (In meinem Fall informierte ich mich über 0%-Finanzierungen und lebensverlängernde Maßnahmen für mein aktuelles Gerät). Alles was du zur Lösungsfindung brauchst ist also ein kühler Kopf. Darüber hinaus musst du aktiv nach Lösungen suchen statt am Problem zu verzweifeln.

Cheat Sheet für Notfälle

Daher hier mein Ratschlag für alle jungen Künstler, egal wie das Problem geartet ist:

  1. Keine Panik!
  2. Mache einen Plan
  3. Sprich mit anderen, wenn du Hilfe brauchst
  4. Passe den Plan neuen Situationen an
  5. Erfolg!

Hast du Vorbilder, die zu dir passen?

VorbildStell dir mal die perfekte Musicaldarstellerin vor! Was sieht du?  

Siehst du lange Beine, blonde Haare und perfekte Pirouetten? Hörst du hohe Belttöne UND eine schwebende Kopfstimme? Siehst du einen Komiker UND jemanden, der dich zu Tränen rühren kann? Und am wichtigsten: siehst du all dies in EINER Person?

Jetzt schau dich selbst an. Was siehst du? Bist du klein, ein bißchen mollig und irgendwie schräg? Hast du rotgefärbte Haare, trägst Doc Martens und singst in der U-Bahn? Bist du größer als die meisten Jungs und ohne Brille blind wie ein Maulwurf? Super!

Du bist nicht perfekt und das ist großartig!  

Wahrscheinlich kannst du (noch) nicht alle Punkte auf deiner Checkliste abhaken und das ist auch okay so. Denn: manche dieser Ideale wirst du nie erreichen können, egal wie sehr du dich anstrengst. Naja, du kannst abnehmen, dir Kontaktlinsen besorgen und deine Haare umfärben, aber du kannst nicht größer werden, deine Beine verlängern und deine Knochenstruktur verändern. (Glaub mir, diese Art von OP ist nicht zu empfehlen!!!)

Es kann also sehr gut sein, dass du nicht in dieses selbst erdachte Ideal passt, aber – um Dr. Seuss zu zitieren – „Today you are you, that is truer than true, there is no one alive who is youer than you.“ Was ich damit sagen will ist, dass du einzigartig bist. Du bist auf deine eigene Art und Weise bereits perfekt. Du bist eine gänzlich neue Kombination von Aussehen, Fähigkeiten und Persönlichkeit, die es kein zweites Mal gibt.

Suche dir ein Ideal, das zu dir passt 

Deshalb solltest du deine Idealvorstellung noch einmal überdenken. Warum? Das Theater ist FÜR Menschen, ÜBER Menschen und VON Menschen. Am wichtigsten ist aber, dass sich das Theater um alle möglichen VERSCHIEDENEN Menschen dreht. Und DU bist ja auch einer. 😉

Stell dir mal Les Misérables ohne die Thénardiers vor, The Book of Mormon ohne Elder Cunningham, Hamilton ohne… Ich glaube, du verstehst, worauf ich hinaus will…

Wenn du also ein Vorbild suchst, suche dir eine reale Person aus. Denke dir keinen fiktiven Darsteller-Superhelden aus, den es nicht gibt. Schaue dir Videos auf Youtube an von Darstellern, die du magst und frage dich, warum du sie so gern magst. Vielleicht siehst du ein Stück von dir in ihnen und das spricht dich an.

Nutze das “Unperfekte” 

Wenn du dir diese Darsteller ansiehst, wirst du schnell feststellen, dass auch sie Menschen sind. Sie haben alle unterschiedliche Hintergründe, Haut- und Haarfarben, einen anderen Körperbau. Sie sind von innen und außen alle unterschiedlich. Schau dir Auftritte von ihnen an und freue dich, dass du die Möglichkeit dazu hast. Vergleiche sie dann mit deiner alten Checkliste und du wirst schnell feststellen, dass es eine absolut alberne Checkliste war.

Schmeiß die Checkliste in deinen mentalen Papierkorb und höre NIE auf Menschen, die dir keine Chancen ausrechnen, nur weil du nicht auf ihre unrealistische Checkliste passt! Schau in den Spiegel, sag dir selbst hallo und fange an, deine Geschichten auf DEINE Art zu erzählen.

Bin ich gut genug?

gutBin ich gut genug für den Job? Habe ich genug Talent und Durchhaltevermögen um mich gegen meine Mitbewerber durchzusetzen? Sehr gute Frage!

Um ehrlich zu sein kann ich euch diese Frage auch nicht beantworten. Natürlich kann ich einschätzen, ob genug Talent vorhanden ist und ob es sich um ein festes Ziel oder eine fixe Idee handelt, aber die restlichen Faktoren in der Gleichung sind leider Unbekannte.

Es liegt nicht nur an dir 

Zu allererst möchte ich dich beruhigen: es ist ganz normal sich diese Frage zu stellen. Ich kenne kaum einen Darsteller, der sich diese Frage im Laufe seiner Karriere nicht gestellt hat.

ABER: Ein wichtiger Bestandteil des Jobs ist es auch, die Dinge zu akzeptieren, die man nicht beeinflussen kann.

Ob du eine Aufnahmeprüfung schaffst oder für deine Traumrolle besetzt wirst, hängt nicht nur von dir selbst ab. Vielmehr hängt es auch am Geschmack und den Vorstellungen der Menschen auf der anderen Seite des Tisches. Vielleicht haben Sie sich jemanden mit einer helleren Stimme vorgestellt. Vielleicht wurden Sie von der Bewerberin vor dir zu Tränen gerührt. Vielleicht sitzen sie schon stundenlang dort und brauchen einfach mal eine Pause.

Nutze die Chance, dich zu verbessern

Ja, es gibt Vieles, worauf du keinen Einfluss hast, aber lass dich davon bloß nicht unterkriegen! Konzentriere dich lieber auf die Dinge, an denen du arbeiten kannst. Warte nicht darauf, dass Gelegenheiten dich finden, sondern suche sie und arbeite darauf hin. Lerne es, Geschichten zu erzählen und die Menschen zu berühren, denn dafür gehen sie ins Theater.

Lasse deine Zweifel zu!

Ganz egal, an welchem Punkt du dir diese Frage stellst, lasse deine Zweifel zu! Wenn es ganz besonders schlimm ist, hilft es manchmal sogar, einen Abend lang in Selbstmitleid zu versinken, Eiscreme zu essen und Schnulzen zu gucken. Lass alles raus und nutze es um deine Gefühle zu- und loszulassen. Nutze es jedoch keineswegs als Ausrede dazu, nicht weiter an dir zu arbeiten! Konzentriere dich auf die Lösungen statt an deinen Problemen zu verzweifeln! Denn ohne Leidenschaft und Herzblut nützt dir das größte Talent rein gar nichts!

Zum Schluss soll noch gesagt sein, dass Erfolg und Scheitern Definitionssache sind. Zwar fühlen sich Absagen oft wie Niederlagen an, aber sie sind auch eine Chance, an der Erfahrung zu wachsen. Und selbst wenn du eines Tages beschließt, einen anderen Berufsweg einzuschlagen, kannst du trotzdem stolz darauf sein, alles in deiner Macht stehende getan zu haben!

Willkommen zurück!

Willkommen

Liebe Leser, willkommen zurück!

Ich weiß, es war für eine Weile ruhig im Blog. Aber: Ich habe euch nicht vergessen und faul war ich auch nicht. 😉

Da ich den Blog nach euren Bedürfnissen gestalten will, habe ich ein paar Änderungen vorgenommen. Vielen Dank an alle, die ihre Wünsche im Rahmen der Umfrage geäußert haben.

Die erste Änderung ist, dass ich ab sofort immer sonntags früh um 10 Uhr posten werde. So könnt ihr den neuesten Eintrag schon zu eurem Frühstücks-Cappucino genießen. 😉

Ich habe außerdem ein paar Leute kontaktiert, die an Musical(hoch)schulen im Auswahlkomitee sitzen und eine Dame hat sich schon zu einem Interview bereit erklärt. Schaut regelmäßig rein, damit ihr es nicht verpasst. 😉

Uuuuuuuund… Trommelwirbel… die Gewinner des Gewinnspiels werden bald benachrichtigt, yay! Schaut auch in eure Spamfilter, nur um sicherzugehen. 🙂

Auf geht’s in einen großartigen Sommer! Ich bin so froh, euch auf dieser Reise begleiten zu dürfen!