Auch die Pause gehört zur Musik

Pause

Herzlichen Glückwunsch! Du hast dir (hoffentlich) in den letzten Wochen den Hintern für deine Aufnahmeprüfungen aufgerissen. Du hast den Input deiner Lehrer wie ein Schwamm aufgesogen und wirst langsam aber sicher süchtig nach Fortschritt.

Dann aber kommt der Tag, an dem deine Lernkurve beginnt einer Ebene zu gleichen. Dinge, die du schon sehr lange übst, funktionieren einfach nicht mehr, vielleicht wirst du sogar krank! Es wird immer klarer, dass dein Gehirn und dein Körper eine Pause brauchen damit du wieder produktiv und erfolgreich sein kannst!

Der Preis, den du fürs Durchpowern bezahlst

Ich kann gut verstehen, dass du Angst hast, dass du nach einer Pause den Fokus auf dein Ziel nicht mehr zurückgewinnen kannst. Dir kommt es vor, als wäre es sicherer, es einfach durchzuziehen. Aber glaube mir, genau dieses „durchpowern“ endet selten gut. Höre auf deinen Körper! Bist du schon erschöpft oder fängst an zu kränkeln? Du wirst es nur schlimmer machen. Du willst doch nicht richtig krank werden und damit deine ganze Aufnahmeprüfung aufs Spiel setzen, oder?

Die Vorteile einer Pause

Es gibt viele Studien darüber, welchen Effekt Pausen auf den Lernprozess haben und es ist eindeutig, dass die langfristigen Ergebnisse besser sind, wenn du zwischen den Lernphasen Pausen machst. Pausen und Urlaub sind außerdem gut für deine Gesundheit. Nicht zu vergessen ist ebenfalls, dass sie dir dabei helfen, einen gewissen Abstand von deinem Vorhaben zu bekommen und es später mit neuen Augen betrachten zu können. Das heißt also, dass deine Vorbereitungen nach der Pause umso effektiver sein werden.

Wie man eine Pause macht

Zuallererst solltest du zugeben, dass dir eine Pause gut tun wird. Dann solltest du den Zeitpunkt und die Länge deiner Pause festlegen, du kannst sie dir auch gerne in den Kalender schreiben. (Ich zum Beispiel, nehme mir über Weihnachten eine Pause um meine Batterien wieder aufzuladen und danach einen frischen Blick auf mein Leben und meine Arbeit werfen zu können.)

Schreib alles auf, was du nach deiner Pause noch erledigen musst, damit du nichts vergisst. Verstaue diese Liste dann an einem sicheren Ort, damit du der Versuchung widerstehen kannst, Dinge während deiner Pause zu erledigen. Das wird auch dabei helfen, die To-Dos aus dem Kopf zu bekommen.

Plane ein paar Aktivitäten, die du liebst. Du kannst dich zum Beispiel mit Freunden treffen, die du schon lange nicht mehr gesehen hast, plane aber auch Zeit für dich ein. Pack dir den Kalender auch nicht zu voll, du willst auch mal eine Verschnaufpause haben. Am allerwichtigsten ist es aber, spontan zu sein und deine Pläne zu ändern, wenn dir danach ist. Höre wirklich auf dich und darauf, was du in diesem Moment brauchst.

Ein neuer Anfang

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Ist dir jetzt nach einer Pause? Nimm sie dir! Dein Fortschritt während der Pause wird dich überraschen. Denn, ob du es glaubst oder nicht, dein Gehirn wird weiterarbeiten und Dinge werden sich von selbst ergeben, weil du sie lässt. Vielleicht wirst du sogar aus einem anderen Blickwinkel auf ein Lied schauen können oder eine Technik, an der du schon sehr lange arbeitest, wird deine Stimme plötzlich befreien. Also, worauf wartest du? Mach deine Pause! Vergiss nur nicht, am 16. Januar hier weiterzulesen! 😉

 

Die drei häufigsten Fehler bei Aufnahmeprüfungen // Gastblog von Sara Glancy, Audition Rep Matchmaker

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SPOILER ALERT: Es ist KEIN Mangel an Vorbereitung!

Wenn du diesen Blog liest, gehe ich mal davon aus, dass Vorbereitung eine Glanzleistung von dir ist! Seit Wochen tust du wahrscheinlich nichts Anderes, als dich auf deine Aufnahmeprüfungen zu konzentrieren.

Glaub mir, ich verstehe das.

Ich bin Audition Coach in New York und habe den Aufnahmeprozess vor ein paar Jahren selbst durchgemacht. Ich habe also diese Stresssituation schon von allen Seiten miterlebt.

Meine Geschichte beginnt mit einer Aneinanderreihung von Nachforschungen, Kaffee und allgemeiner Angespanntheit und Angst, und endete mit der Aufnahme an der NYU Tisch School for the Arts.

Ich hoffe für euch, dass wir einen Teil der Angst überspringen und direkt zu diesem heißersehnten Brief kommen können. Also lasst uns, ohne weitere Umschweife, zu den drei häufigsten Fehlern bei Aufnahmeprüfungen kommen:

1. Der versuch, innerhalb von 16 Takten alles zu zeigen

Seien wir mal realistisch! Bei den meisten Auditions darfst du nicht mehr als 32 Takte pro Lied zeigen um den (Hoch)schulen zu zeigen, was du kannst. Und du kannst SO VIEL! Wenn du aber versuchst, alles zu zeigen, zeigst du am Ende gar nichts.  16 Takte, die Kopfstimme, Belting, eine Heulattacke und eine Slapstick-Einlage enthalten, lassen dich nicht aussehen wie einen triple-threat. Du siehst so einfach nur verrückt aus.

Konzentriere dich darauf, mit jedem Song eine Geschichte zu erzählen. Es ist zwar großartig, verschiedene Stimmfarben zeigen zu können, aber die Geschichte sollte niemals unter der Technik leiden.

2. sich selbst älter machen als man ist

Vielleicht weinst du jedes Mal, wenn du Kelli O’Hara “To Build A Home” singen hörst, aber das bedeutet nicht, dass es ein passender Auditionsong für dich ist. Es kann verlockend sein, solch ein Stück auszusuchen um emotionale Tiefe zu zeigen, aber im Vorsingraum wird es dir keinen Vorteil bringen. Einer 17-jährigen dabei zuzusehen,  wie sie ein Stück über das Leben als Mutter und Stagnation singt, lässt uns automatisch weniger teilhaben. Selbst wenn du es wunderschön darbietest, ist es schwer für uns, unsere Zweifel abzulegen und uns auf diese Reise mit dir einzulassen.

Habe keine Angst davor, jung zu sein! Du kannst deine Schauspielkünste auch mit altersgerechtem Material zeigen!

3. Das Streben nach Perfektion

Hier schließt sich der Kreis zur Vorbereitung. Vorbereitung ist unverzichtbar, aber lass sie beim Vorsingen vor der Tür! Sobald du den Raum betrittst, ist es wichtig, dass du dir selbst erlaubst, präsent zu sein. Wenn dir das Komitee Fragen stellt, höre wirklich zu und sei bereit zu antworten. Denke über Antworten auf potenzielle Fragen nach, aber lerne sie nicht auswendig. Probe deine Songs, aber choreographiere nicht die Momente. Lass Raum für deine Impulse. Vorbereitet ist gut, geschliffen kann gut sein, aber Plastik will keiner sehen.

Denk dran: (Hoch)schulen suchen nach Potenzial, nicht nach Perfektion. Wenn du morgen schon für dein Broadwaydebüt bereit wärst, würdest du dich nicht dort vorstellen.

Zeige Ihnen, dass du Talent hast und dass man mit dir arbeiten kann.

Sei jung!

Sei ungeschliffen!

Sei vorbereitet!

Sei du selbst!

Hals- und Beinbruch!


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Sara Glancy, auch bekannt als “Audition Rep Matchmaker” führt Darsteller mit dem Auditionrepertoire zusammen, das ihnen zu Jobs verhilft! Sie ist wie eine Yente für das digitale Zeitalter, denn sie hilft Darstellern dabei, die Songs und Monologe ihrer Träume zu finden. Saras besondere Superkraft ist es, die Lücken im Repertoire der Darsteller zu finden. Sie bringt ihre Kunden dann mit Material zusammen, das typgerecht, einzigartig und – am allerwichtigsten – geschichtenorientiert ist. Um mehr über ihre Abenteuer im matchmaking zu erfahren, besuche saraglancy.com oder lies Saras Blog. Gerne kannst du ihr auch auf Twitter folgen unter @AuditionRep!


Die englische Originalfassung des Gastblogs findet ihr hier. Deutsche Übersetzung von Svenja Isabel Baumann

Manche Leute brauchen Druck und manche zerbrechen daran

popcorn-movie-party-entertainmentAm Samstag war ich im Kino um mir “Die Prüfung” von Till Harms anzusehen. In „Die Prüfung“ geht es um den Aufnahmeprozess an der Hochschule in Hannover. Als Schauspielerin und Bloggerin interessierte mich der Film besonders deshalb, weil er den Prozess aus Sicht der Jury und nicht aus Sicht der Teilnehmer zeigt.

Was ich nicht wusste war, dass auch ein Vorfilm gezeigt wurde. Dieser Vorfilm war „Über Druck“ von Sebastian Binder und Sebastian Fred Schirmer. Er dauerte keine dreizehn Minuten, brachte mich aber wirklich zum Nachdenken. Wer auch immer diese zwei Filme für das Festival kombiniert hat, Respekt, denn in Aufnahmeprüfungen geht es auch um sehr viel Druck bei allen Beteiligten.

“Über Druck” bestand hauptsächlich aus Interviews mit “Alltagsmenschen” und jeder von ihnen schilderte, was er mit dem Thema Druck verbindet. Es gab lustige Momente, zum Beispiel als die Dame an der Bar Druck mit dem Toilettengang assoziierte. Aber ein Zitat geht mir nicht mehr aus dem Kopf: „Es gibt Leute, die Druck brauchen und es gibt Leute, die zerbrechen.“

POSITIVER UND NEGATIVER DRUCK

Aber was sagt uns dieses Zitat? Naja, im Showbiz gibt es sehr viel Druck. Es beginnt alles mit dem Druck bei Aufnahmeprüfungen und zieht sich durch die ganze Karriere. Man will engagiert werden, wird mit anderen verglichen und sucht Aufmerksamkeit. Und mal ganz ehrlich, manche Menschen halten diesem Druck nicht lange stand.

Es gibt aber auch den Druck, auf der Bühne etwas abzuliefern. Und dieser Druck (auch wenn das Wort Druck negativ behaftet ist) ist doch der Grund warum wir diesen Beruf wählen, oder nicht? Denn dieser sogenannte Druck auf der Bühne führt doch zu nicht vergleichbaren Darbietungen! Man kann also zwischen negativem und positivem Druck unterscheiden!

Aber wie können wir uns diesen positiven Druck zugänglich machen ohne unterwegs am negativen Druck zu zerbrechen? Gute Frage! Denn ganz ehrlich glaube ich, dass Schauspieler Druck brauchen, denn sonst würden sie keinen Job wählen, in dem sie sich dauerhaft emotional entblößen müssen.

DREI SCHRITTE UM DRUCK ZUM POSITIVEN ZU WENDEN

Versuche herauszufinden, wo der negative Druck herkommt, sobald du ihn verspürst! Hast du Angst, dass dich keine Schule aufnehmen wird? Warum hast du diese Angst? Suche eine Lösung für die Ursache deines Problems, anstatt am Problem selbst zu verzweifeln.

Suche Situationen, in denen du positiven Druck music-932097_1920verspürst. Wie? Versuche ein paar Rollen oder Auftritte zu ergattern bevor die Hauptsaison für Aufnahmeprüfungen beginnt, arbeite mit neuen Lehrern um neuen Input zu sammeln, du kannst auch in einer Karaokebar singen, wenn du willst. Wenn du dann dieses positive Gefühl verspürst, versuche herauszufinden wie es zustande kam und was es mit dir macht!

Kreiere positiven Druck in Negativdruckmomenten! Bitte was? Naja, immer wenn du negativen Druck verspürst, solltest du versuchen, einen Moment positiven Drucks wiederherzustellen. Das klingt jetzt wahrscheinlich sehr abstrakt, daher kommt nun ein Beispiel!

DRUCK BEI AUFNAHMEPRÜFUNGEN

Ich gebe zu, bei Aufnahmeprüfungen kommt man oft in Situationen negativen Drucks. Aber was würde passieren, wenn du Vorsingen wie einen Auftritt behandeln würdest? Shows sind doch voller positiver Gefühle, oder nicht? Also gehe in diesen Raum und behandele die Situation wie eine One-Person-Show von drei bis fünfzehn Minuten. Du wirst überrascht sein, wie sehr dies deine Darbietung und dein Nervenkostüm beeinflussen wird. Und wenn du wirklich mal darüber nachdenkst, ist dies auch nur ein Vorsingen von vielen, deshalb lohnt sich das Experiment! 🙂